Vom 22. bis 24. Februar finden in Bremen die deutschen Coffee in Good Spirits Meisterschaften statt. Auch in diesem Jahr wird Olli wieder antreten. Nach der ersten Wettbewerbserfahrung im letzten Jahr geht es diesmal mit mehr Vorbereitung, klareren Abläufen und vielen Learnings zurück auf die Bühne.
Für alle, die mit dem Format noch nicht vertraut sind, möchten wir kurz erklären, worum es bei Coffee in Good Spirits eigentlich geht – und was hinter der Teilnahme steckt.
Was ist Coffee in Good Spirits?
Coffee in Good Spirits ist die Meisterschaft, die die Welt des Specialty Coffee mit der Bar- und Spirituosenkultur verbindet. Ziel ist es, Kaffee nicht nur als Getränk, sondern als aromatische Zutat in komplexen Drinks zu verstehen.
Auf nationaler Ebene besteht die Competition aus zwei Disziplinen:
Signature Drink
Hier sind die Teilnehmer:innen weitgehend frei. Kaffee, Spirituosen, Zutaten, Stil und Präsentation können selbst gewählt werden. Der Drink soll zeigen, wie kreativ und zugleich logisch Kaffee und Alkohol miteinander kombiniert werden können.
Irish Coffee
Der Pflichtdrink für alle: klassisch mit starkem Filterkaffee, Zucker, Whiskey und Sahne. Trotz der klaren Vorgaben ist dieser Drink technisch anspruchsvoll – Temperatur, Balance und Textur spielen eine entscheidende Rolle.
In beiden Disziplinen geht es darum, zwei Professionen miteinander zu verbinden: Auf der einen Seite das Barista-Handwerk – Kaffeezubereitung, Sensorik, Extraktion, Sauberkeit. Auf der anderen Seite das Wissen aus der Barwelt: Spirituosenkunde, Herstellungsprozesse, Aromalogik und Balance im Drink.
Bewertet wird nicht nur der Geschmack, sondern auch, wie schlüssig die Kombination erklärt wird und ob der Drink realistisch in der Gastronomie umsetzbar ist.
Rückblick auf die Teilnahme im letzten Jahr
Im vergangenen Jahr stand Ollis Präsentation unter dem Thema Freundschaft und Verbindung. Die Idee entstand aus einer mehrmonatigen Reise durch Südamerika, bei der er mehrere Wochen auf Kaffeefarmen lebte und arbeitete. In dieser Zeit entstanden viele persönliche Begegnungen, die er stark mit bestimmten Aromen und Geschmäckern verbindet.
Ein prägendes Erlebnis war die erste Begegnung mit frischer Kakaofrucht auf einer Farm in Peru. Das Fruchtfleisch einer frischen Kakaoschote schmeckt überraschend exotisch – mit Noten von Lychee, Ananas und Mango – und hat wenig mit dem bekannten Geschmack von Kakao oder Schokolade zu tun. Diese Erfahrung wurde zum Ausgangspunkt für den Signature Drink.
Der Drink kombinierte Kakaofruchtsaft mit einem Rum aus Oaxaca (Mexiko) und einem Kaffee aus Kolumbien – ebenfalls Orte, die Teil der Reise waren. Der Name des Drinks lautete „Cumpa“, ein Wort aus einer indigenen Sprache im Norden Perus und bedeutet so viel wie Freund oder Gefährte.
Für den Kaffee wurde gemeinsam mit unserem Partner und Freund Nikolai Fürst eine gewaschene Geisha-Varietät vom Produzenten Wilder Lasso ausgewählt. Der Kaffee war sehr clean, mit ausgeprägten Lavendel- und Zitronengrasnoten, die dem Drink eine elegante, florale Frische verliehen.
Auch der Irish Coffee wurde bewusst interpretiert: Ein anaerob aufbereiteter Chiroso von Jorge Elias Rojas – ebenfalls über Nikolai bezogen – brachte intensive Aromen von Portwein, Schokopraline und Rum mit. Ergänzt wurde der Drink durch einen Sirup aus Kaffeeblütenhonig, den damals vorgegebenen Jameson Whiskey und Sahne. Das Ergebnis erinnerte sensorisch an eine Schwarzwälder Kirschdessert-Interpretation.
Wenn Kleinigkeiten über alles entscheiden
Die erste Competition verlief grundsätzlich gut – bis ein kleiner Regelverstoß zur Disqualifikation führte. Durch eine Verzögerung mussten Sahne und Eis kurzfristig noch einmal gekühlt werden. Die Gefriertruhe befand sich jedoch unterhalb der Präsentationsfläche. Während der Präsentation wurde kurz unter den Tisch gegriffen – was laut Regelwerk nicht erlaubt ist. Alle verwendeten Gegenstände müssen sich jederzeit sichtbar auf der Arbeitsfläche befinden.
Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, wie strikt die Wettbewerbe organisiert sind. Es geht nicht nur um Geschmack oder Kreativität, sondern auch um absolute Regelkonformität und saubere Abläufe.
Hinzu kommt der enorme Zeitdruck: Innerhalb von nur zehn Minuten müssen beide Drinks zubereitet, präsentiert, erklärt, geshaked, aufgebaut und serviert werden. Planung, Struktur und Routine sind hier entscheidend.
Vorbereitung, Training und neue Learnings
Die Vorbereitung auf den Wettbewerb begann im letzten Jahr etwa drei bis vier Monate vor der Meisterschaft – zunächst locker, später sehr intensiv. Rückblickend war das Trainingsfenster jedoch zu kurz, um alle Abläufe wirklich zu automatisieren.
Für dieses Jahr ist das ein zentrales Learning: Der Start erfolgt deutlich früher. Rezepte, Präsentation und Bewegungsabläufe werden systematischer aufgebaut und geübt. Auch die Präsentation wird klarer und strukturierter.
Eine wichtige Erkenntnis aus dem letzten Jahr: Eine gute Story ist wertvoll – aber sie darf nicht zulasten der bewertungsrelevanten Inhalte gehen. Punkte wie Trinktemperatur, Umsetzbarkeit im Café oder in der Bar sowie die sensorische Logik müssen klar und präzise kommuniziert werden. Die Geschichte wird stärker verdichtet, der Fokus liegt auf dem Wesentlichen.
Ziel ist es, dass jeder Handgriff auf der Bühne sitzt und die Präsentation auch unter Stress reproduzierbar bleibt.
Wettbewerb bedeutet auch Logistik
Ein oft unterschätzter Teil solcher Wettbewerbe ist der organisatorische Aufwand. Für die letzte Meisterschaft wurde mit Gasflaschen, Gläserkühlern, Schaumequipment und zahlreichen Zutaten angereist. Der Kakaofruchtsaft musste aufgeschäumt werden, Gläser sollten ohne Eis gekühlt werden. All das erforderte zusätzliches Equipment und Planung.
Allein der Transport über das Messegelände war bereits ein kleines Abenteuer.
Impulse über den Wettbewerb hinaus
Aus der Wettbewerbsvorbereitung ist bei uns noch mehr entstanden: die Idee für unsere eigene Spirits-Reihe sowie Cocktail-Events im Café. Das erste Event fand bereits im August 2025 statt und wird voraussichtlich im Mai diesen Jahres wiederholt. Viele Drink-Ideen, die es nicht auf die Wettbewerbsbühne schaffen, finden dort ihren Platz im Glas.
Ausblick
Die Vorbereitung für Bremen läuft bereits auf Hochtouren. Weitere Informationen rund um die Meisterschaften findet ihr über die SCA Germany unter scagermany.coffee. Zeitgleich werden dort auch die Latte Art und Barista Meisterschaften ausgetragen.
Für alle, die nicht vor Ort sein können, wird es außerdem einen Livestream geben, über den sich die Wettbewerbe verfolgen lassen. Schaut gerne rein – und drückt Olli die Daumen!
Wir versprechen euch einen ausführlichen Bericht im Anschluss an die Meisterschaft. Jetzt geht es erstmal zurück ins Training.